Mit Individualisierung zum Erfolg?

©Thinkstock/iStock
©Thinkstock/iStock

Wie sinnvoll ist Individualisierung im Unterricht? Wo stößt sie an ihre Grenzen, wo stoßen Lehrkräfte an die Grenzen? Für welche Schülerinnen und Schüler ist differenzierter Unterricht überhaupt geeignet? Diesen Fragen ging Dr. Frank Lipowsky am 26.9.2016 an der Pädagogischen Hochschule OÖ nach.

Dr. Frank Lipowsky: Ist Individualisierung der Königsweg zum Lernen?


Individualisierung im Unterricht wird zunehmend von Politik und Eltern gefordert und klingt in der Theorie grundsätzlich erstrebenswert. Doch zwischen Theorie und Praxis gibt es große Abweichungen und die Hoffnungen von Individualisierung erfüllen sich oft nicht. Als Hauptkritikpunkte nennt der Bildungsforscher Dr. Frank Lipowsky, dass durch Individualisierung ein Teil der Schüler überfordert wird, die Interaktionsqualität unter den Schülern leidet und auch die Lehrpersonen überfordert werden. Als Lösungsmöglichkeiten sieht Lipowsky eine sorgfältige Unterrichtsplanung und das Bemühen um einen verständnisorientierten Unterricht bzw. den Fokus auf die Tiefenstruktur.

Auf seine Eingangsfrage antwortet Frank Lipowsky abschließend: "Ich würde sagen, DER Weg ist es nicht! Im Spektrum von Unterrichtsformen und -ansätzen ist es ein möglicher Weg, dessen Wirksamkeit von der Qualität der Tiefenstruktur und der fachlichen Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem Unterrichtsinhalt bestimmt wird."

Interview Dr. Frank Lipowsky: Individualisierung im Unterricht: In vielen Fällen ist weniger mehr


Der Bildungsforscher Dr. Frank Lipowsky setzte sich in seinem Vortrag mit dem Thema Individualisierung im Unterricht auseinander. Wir haben nachgefragt, wieso die Theorie und Praxis der Individualisierung oftmals weit auseinander klaffen, welches Maß an Individualisierung sinnvoll und machbar ist und welche Tipps Lehrkräften weiterhelfen könnten. Fakt ist, es ist kaum möglich, alle Kinder über das ganze Jahr weg, individuell zu betreuen. "In vielen Fällen ist weniger mehr", rät Frank Lipowsky, da vor allem die Vorbereitung sehr zeitintensiv sei. Grundsätzlich sollte man eher in die Tiefenstruktur arbeiten, als an der Oberfläche, das heißt, weniger Themen individualisieren, dafür aber qualitativ hochwertig.